Lenzing: Trügerischer Gewinn
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Die nackten Zahlen, welche die Lenzing AG heute präsentiert, schauen auf den ersten Blick doch gut aus. Der Nettogewinn ist von 15,2 auf 35,6 Millionen Euro gestiegen. Stimmt, aber der Teufel steckt im Detail - ich habe dir berichtet. Operativ läuft es beim oberösterreichischen Faserkonzern weiterhin nicht rund: Umsatz und EBITDA sind beide gesunken, die Marge liegt bei 18,9 Prozent, der Zielkorridor ist 20 bis 25 Prozent. Die Lücke ist also real.
Woher kommt dann der Gewinnanstieg? Vor allem aus positiven Fremdwährungseffekten und einem besseren Finanzergebnis. Kein Zeichen operativer Stärke, aber nach jahrelangen Verlusten trotzdem ein Signal.
Der Umbau
Lenzing zieht die Konsequenzen. Die Strategie ist klar: Weg vom margenschwachen Standardfasergeschäft, hin zu Nonwovens und Premiumtextilien. Das ist der Plan:
Faserproduktion in Heiligenkreuz und England wird eingestellt
Rund 2.000 Jobs fallen weltweit weg
Fokus auf Nonwovens und Premiummarken wie Tencel
Hygiene-Segment wird gezielt ausgebaut
Ein weiteres Sparprogramm soll bis Ende 2027 120 Mio. Euro bringen, bereits das dritte seit 2022
Kapitalerhöhung und HV
Wie geht es jetzt weiter? Fix ist nun, dass eine außerordentliche Hauptversammlung am 25. August eine Kapitalerhöhung von 300 Millionen Euro beschließen soll. Besonders wichtig: Die Hauptaktionäre B&C-Gruppe und Suzano haben sich bereits verbindlich zur Teilnahme in Höhe von rund 156,7 Millionen Euro verpflichtet. Wenn weitere Großaktionäre mitziehen, ist das ein Signal für die Glaubwürdigkeit des Kurses. Die Aktie holte zuletzt übrigens den Rückgang nach der Krisenmeldung samt Stellenabbau wieder auf (siehe unten). Fazit: Die Strategie ergibt Sinn, der Weg dorthin kostet aber Geld, Jobs und Zeit. Bis die Marge wirklich in den Zielkorridor kommt, braucht es noch Geduld.
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