Insider

Watchlist: Ziemlich heiß... und unverschämt 

Ein ziemlich überhitzter Mix aus Politik, Börse und Sommerideen prägt diese Woche: von ATX-Gerüchten über Trumps Tweet-Gebühren bis zu neuen Reformimpulsen in Europa.

Veröffentlicht

07.08.2026

Lesezeit

3 min
Teilen auf
After ringing the opening bell from the White House, United States President Donald Trump is seen on a screen on the floor of the New York Stock Exchange, in New York, Monday, July 6, 2026
© APA-Images / AP / Seth Wenig
Insidertipps für die eigene Tasche? Eigenartige Geschäftspraktiken erzürnen in den USA kaum.

Heiße News bahnen sich in Wien an. Wie es aussieht, gibt es eine Verschiebung im Leitindex ATX. Da könnte schon bald mit der Mayr-Melnhof Karton AG eine alte Bekannte zurückkehren – mehr hier.

Wildes Treiben in den USA

Was geht denn derweil in den USA ab? US-Präsident Donald Trump verlangt jetzt Geld für die Vorabzustellung seiner Tweets auf seiner eigenen Social-Media-Plattform. Investoren können die zu üppigen Gebühren kaufen – schau hier. Mich wundert immer wieder, mit wie viel Unverschämtheit er durchkommt. Und die Aufsicht? Tut derzeit nichts. Langsam beschleicht mich das Gefühl, dass auch die Wall Street (der S&P500 legte bekanntlich einen neuen Höchststand hin) dem Treiben des Präsidenten keinen Einhalt gebietet, was ja in Börsenkreisen oft vermutet wurde.

Vielleicht liegt es an der Hitze – die großen Themen liegen gerade woanders. Nur nicht beim Klimawandel, den Trump bekanntlich leugnet. Insofern zeigt sich die Natur gerade sehr ungerecht, dass die Dürre Europa und Österreich im Speziellen heimsucht. Mehr dazu hier.

Sommerliche Ideen

Am alten Kontinent tut sich derweil auch etwas. Deutschland reformiert seine Alterssicherung und bringt neue kapitalgedeckte Elemente ins Spiel: das Generationenkapital, oft als Aktienrente bezeichnet, und das geplante Altersvorsorgedepot, das ab 2027 starten soll. Ziel ist es, die private und gesetzliche Vorsorge durch Aktien und ETFs zu stärken. Könnte das ein Modell für Österreich sein? Hoffen darf man ja wohl noch!

Ideen entstehen oft in ruhigeren Zeiten. Erste-Group-CEO Peter Bosek lieferte letzte Woche eine solche, noch vor dem Sommerurlaub. Er regte an, dass die ÖBAG einen Teil ihrer eigenen Anteile – rund 15 Prozent – über die Börse verkauft, um frisches Kapital zu erhalten, und dieses Geld anschließend nutzt, um die Staatsbeteiligung an der Telekom Austria (oder auch an der OMV) aufzustocken. Das Ziel: kritische Infrastruktur wieder stärker in österreichische Hand bringen, ohne klassische Verstaatlichung, sondern über ein kapitalmarktbasiertes Re‑Investment‑Modell. Ich finde das spannend.

Hintergrund: Unlängst beklagte auch Klaus Steinmaurer, Geschäftsführer der Regulierungsbehörde, in einem Standard-Interview, dass wichtige Teile der österreichischen Telekom-Infrastruktur in mexikanischer Hand sind (über América Móvil) und dass dies Unsicherheiten schafft, die durch Regulierung abgefedert werden müssen.

Auch wenn es nicht dazu kommen mag, Impulse für die Wiener Börse wären jedenfalls willkommen. Und was war sonst noch los?

Wir arbeiten sehr konsequent an der Reorganisation. Bei allen geopolitischen Krisen bleibt der Fokus auf Effizienz.
Herbert Eibensteiner, CEO Voestalpine AG

News-Splitter

Die Österreichische Post AG macht weniger Gewinn, CEO Walter Oblin wird verlängert und sieht noch viel Potenzial in der Bank99 - mehr hier.

Die BKS Bank AG legt ein solides Halbjahr hin (hier die Zahlen), aber man sieht deutlich: Das Wachstum kommt vor allem dort, wo der Markt gerade zufällig Luft lässt. Der Wohnbau erholt sich, Firmen suchen Exportchancen, das Wertpapiergeschäft profitiert von der KI‑Rallye. Insgesamt wirkt das Ergebnis eher wie ein clever genutztes Umfeld als ein struktureller Durchbruch.

Auch die Voestalpine AG liefert ein ordentliches finanzielles Update ab (hier nachschauen), aber man merkt: Das Umfeld bleibt zäh, und viele Kennzahlen bewegen sich eher seitwärts als nach oben. Insgesamt wirkt das Halbjahr wie ein stabiler, aber unspektakulärer Zwischenstand, nicht wie ein großer strategischer Aufschlag.

Laut CRIF steigen die Privatkonkurse weiter: 4.722 Fälle im ersten Halbjahr, ein Plus von 4,8 Prozent, und für 2026 werden bis zu 9.500 Verfahren erwartet. Das wirkt wie ein klarer Hinweis darauf, dass die Haushalte trotz sinkender Inflation finanziell weiter am Limit laufen.

Termine

In der zweiten Augustwoche wird’s an der Wiener Börse richtig dicht: Frequentis (12.8.), Wienerberger (13.8.), Semperit (13.8.), DO & CO (13.8.), Polytec (13.8.) und Addiko (14.8.) legen ihre Halbjahresberichte bzw. Quartalszahlen vor. Damit steht eine ganze Reihe sehr unterschiedlicher Unternehmen gleichzeitig im Schaufenster – von Industrie über Infrastruktur bis Gastronomie.

Börsianer Insider

Autor

Börsianer Insider

ist für dich anonym am Kapitalmarkt unterwegs und bringt die heißesten Storys.

Teilen auf
Anzeige