Gastkommentar

Afrikas Stunde? Ein Blick aus Investorensicht

Bevölkerungswachstum, steigende Agrarproduktvität und chinesisches Kapital verändern die Wachstumsdynamik Afrikas grundlegend. Joe Studwell, Autor von „How Africa Works", räumt im Gastbeitrag mit hartnäckigen Fehlannahmen über den Kontinent auf und zeigt, warum die strukturellen Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum heute erstmals wirklich gegeben sind.

Veröffentlicht

23.07.2026

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Person using a smartphone in front of the JSE Exchange Square building with modern architecture and bare trees.
© APA-Images / REUTERS / Siphiwe Sibeko
Die südafrikanische Börse, die Johannesburg Stock Exchange (JSE), hat sich zuletzt überraschend stark entwickelt. Südafrika ist dennoch keine Blaupause für den ganzen Kontinent.

Afrikas Wachstumsgeschichte wird seit Jahrzehnten falsch erzählt. Korruption, schlechte Regierungsführung, ethnische Konflikte: Diese Erklärungen greifen zu kurz. Sie sind Symptome, keine Ursachen. Der eigentliche Schlüssel liegt in der Demografie. Bei der Unabhängigkeit um 1960 betrug Afrikas Bevölkerungsdichte ein Fünftel derjenigen Asiens, vergleichbar mit Europa im Jahr 1500, einer Ära ohne wirtschaftliches Wachstum. Ohne ausreichend große Märkte, ohne städtische Zentren, ohne Steuereinnahmen war die Entwicklung schlicht nicht finanzierbar.

Der Rohstoffreichtum: ein Mythos

Viele Investoren setzen Afrika mit Rohstoffen gleich. Das ist ein Irrtum. Die Wahrnehmung entstand, weil viele afrikanische Volkswirtschaften historisch stark auf diesen Sektor konzentriert waren, nicht weil der Kontinent außergewöhnlich ressourcenreich wäre. Südafrika ist die Ausnahme, nicht die Regel. Wer Afrika als bloßen Rohstofflieferanten betrachtet, verpasst die eigentliche Geschichte.

Das Wachstum in Afrika wird weniger volatil, und diese Entwicklung dürfte anhalten.
Joe Studwell

Chinas Rolle: Nüchterne Bilanz

Chinesische Staatsbanken haben rund 150 Milliarden US-Dollar nach Afrika verliehen, davon etwa 80 Prozent in Infrastruktur. Heute befinden sich schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der afrikanischen Industrie in chinesischem Eigentum. Unterm Strich hat China überwiegend eine unterstützende Rolle gespielt, als Kapitalquelle und als Treiber industrieller Aktivität. Afrika dient dabei auch als Absatzmarkt für chinesische Überkapazitäten, ähnlich wie Südostasien einst für Japan.

Podcast-Tipp
Im Podcast von William Blair Investment Management spricht Joe Studwell über die Kräfte, die Afrikas wirtschaftliche Entwicklung prägen.

Die Chancen für Investoren

Das Wachstum in Afrika wird stabiler. Die starke Abhängigkeit von Rohstoffen erzeugte in der Vergangenheit extreme Zyklen. Heute gewinnen Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung und verarbeitende Industrie an Gewicht und glätten das Wachstumsprofil. Die Bevölkerung wächst von heute 1,5 Milliarden auf prognostizierte 2,5 Milliarden bis 2050. Das schafft enorme Binnennachfrage, gerade in der Konsumgüter- und Agrarindustrie.

„Das Wachstum in Afrika wird weniger volatil, und diese Entwicklung dürfte anhalten."

Unterschiedliche Länder

Afrika ist kein monolithischer Block. Mit 55 Ländern wird der Kontinent eine außergewöhnliche Bandbreite an Ergebnissen hervorbringen. Mauritius und Botswana zeigen, dass nachhaltiger Entwicklungserfolg möglich ist, auch ohne eine einzelne dominante Führungspersönlichkeit. Wer selektiv vorgeht und die richtigen Märkte identifiziert, findet hier Chancen, die anderswo kaum noch zu finden sind.


Joe Studwell

Autor

Joe Studwell

Joe Studwell ist Wirtschaftsjournalist und Autor der Bücher „How Asia Works" und „How Africa Works".

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